Gartenarbeit: Frau schneidet rosa Hängegeranien (Pelargonium peltatum) mit einer Gartenschere

Wann Geranien schneiden? Der richtige Zeitpunkt für mehr Blüten

Wann Geranien schneiden? Der falsche Schnitt kostet Blüten. Erfahre, zu welcher Jahreszeit Schneiden sinnvoll ist – und was Geranien wirklich brauchen.

Mehr Blüten, kompakter Wuchs, gesunde Pflanzen: Der Text zeigt, wann ein Schnitt sinnvoll ist, wann Ausputzen reicht – und warum falsches Schneiden deinen Geranien oft mehr schadet als nützt.

Wann Geranien schneiden: das Wichtigste im Überblick

Überwinterte Geranien werden im Frühjahr zurückgeschnitten, damit sie neu austreiben. Im Sommer schneidet man sie nicht, sondern entfernt meist nur verblühte Blüten. Ausnahmen: Man möchte den Wasserbedarf bei längerer Abwesenheit verringern oder gezielt die Verzweigung fördern. Im Herbst kürzt man die Triebe stark ein, um die langlebigen Sommerblumen auf die Überwinterung vorzubereiten. Entscheidend ist also nicht das Datum, sondern ob die Pflanze wachsen, blühen oder Kraft sparen soll.

Inhaltsverzeichnis

Wie man Geranien richtig schneidet

Geschnitten wird knapp über einem Blattknoten. Denn am Blattknoten sitzen die Knospen, aus denen neue Triebe wachsen können. Schneide den Trieb nicht mitten im „leeren“ Stängel ab, solche Stummel trocknen zurück. Und: Entferne beim Schneiden zudem alles, was vertrocknet, dünn oder beschädigt ist. Dann kann die Pflanze ihre ganze Kraft in gesunde Triebe stecken. Nach dem Schnitt die Geranie hell stellen und wenig gießen. Mit dem Düngen warten, bis neue Triebe zu sehen sind.

Nahaufnahme: Geranien werden mit einer Gartenschere geschnitten

Beim Schneiden ist ein scharfes, sauberes Werkzeug wichtig. Eine stumpfe Schere oder ein ungeschärftes Messer quetscht Triebe. Solche Quetschwunden heilen schlecht und können Krankheiten begünstigen. Schneidest du mehrere Pflanzen? Dann reinige die Klinge sicherheitshalber zwischendurch mit hochprozentigem Alkohol (70 Prozent). Das machen Profis auch. Sie stellen damit sicher, dass keine Krankheiten übertragen werden.

Im Frühjahr schneiden – oder nicht?

Das kommt im Frühjahr darauf an, ob die Geranie neu gekauft oder überwintert ist. Frisch gekaufte Geranien brauchen keinen Schnitt. Sie wurden in regionaler Produktion so herangezogen, dass sie kompakt wachsen und sich gut verzweigen. Der Schnitt würde die Blüte verzögern. Geranien aus europäischer Produktion stehen für gleichmäßige Qualität, stabile Pflanzen und zuverlässiges Wachstum. Pflanze sie einfach fachgerecht ein, gieße sie an und lass sie an einem sonnigen, warmen Platz wachsen.

Bei überwinterten Geranien sieht das anders aus. Manchmal bilden sie im Winterquartier lange, dünne Triebe und wachsen ungleichmäßig. Kürze die Triebe Ende Februar/Anfang März auf 10 bis 15 Zentimeter. Schneide knapp über einem Blattknoten und entferne vertrocknete, sehr dünne oder sich kreuzende Triebe ganz. So wachsen kräftige neue Triebe nach. Nach dem Schnitt stellst du die Pflanzen hell und wärmer und gießt sie sparsam. Dünger kommt erst, wenn sie wieder austreiben.

Geranien haben in Europa eine lange Tradition und gehören einfach zu einem schönen Sommer auf Balkon und Terrasse.
Merksatz: Neue Geranien lässt du wachsen. Überwinterte Exemplare baust du im Frühjahr durch den Schnitt neu auf.

Geranien im Sommer schneiden: warum Ausputzen besser ist

Ausputzen von pinken Geranien (Pelargonium zonale) zur Pflege der Pflanze

Geranien gibt es in vielen Farben und Formen – von schlicht bis auffällig ist für jeden Geschmack etwas dabei. Im Sommer gilt: blühen lassen, nicht schneiden. Denn nach einem Rückschnitt bildet die Pflanze erstmal neue Triebe statt schöner Blüten. Stattdessen putzt du deine stehenden oder hängenden Lieblinge aus.
Tipp: Geranien eignen sich gut als Schnittblume für sommerliche Dekorationen. Das Abschneiden der Blütenstiele zu diesem Zweck regt ebenfalls die Blütenbildung an.

Was ist Ausputzen?

Beim Ausputzen entfernst du verblühte Blüten. Einzelne vertrocknete Blüten lassen sich mühelos aus dem Blütenstand herausziehen. Wenn die Blüten zwar welk, aber noch nicht trocken sind, bricht man sie direkt am Ansatz einzeln heraus. Um die ganze Dolde zu entfernen, tastet man mit zwei Fingern den Stängel ab, bis man den Ansatz des Triebes gefunden hat, und bricht den Stängel dann entgegen der Wuchsrichtung ab.
Warum? Die Geranie will aus verblühten Blüten Samen bilden. Hat sie Samen produziert, denkt sie „Auftrag erledigt“ und legt eine Blühpause ein. Entfernst du die verblühten Dolden, trickst du die Pflanze aus: Sie bildet immer wieder neue Blüten, weil sie hofft, doch noch Samen produzieren zu können.
Besonders wichtig ist das Ausputzen bei gefüllten Sorten, denn ihre schweren Blüten sind bei regnerischem Wetter anfälliger für Fäulnis. Selbstreinigende Hängegeranien – die bekannteste Sorte trägt den Namen ‚Ville de Paris’ – werfen Verblühtes von alleine ab.
Ein Rückschnitt ist im Sommer nur in Ausnahmefällen angebracht, etwa wenn einzelne Triebe stark aus der Form geraten sind oder nach extremer Hitze schwächeln. Dann kürzt du einzelne Triebe leicht ein. Ein starker Schnitt führt immer zu einer längeren Blühpause.
Merke: Beim Ausputzen von Geranien kommt es darauf an, den gesamten Blütenstand mit Stiel zu entfernen – nicht nur die welken Blütenblätter.

Edelpelargonien profitieren vom Rückschnitt

Keine Regel ohne Ausnahme. Edelpelargonien (Pelargonium grandiflorum) benötigen nach der Blüte einen stärkeren Rückschnitt, um erneut durchzutreiben und dich mit einem zweiten Blütenflor im Hochsommer zu erfreuen.

Duftgeranien in verschiedenen Sorten als Topfpflanzen

Sonderfall: ein Schnitt vor dem Urlaub

Fährst du in den Urlaub und niemand kann gießen? Dann schneide deine Sommerlieblinge vorher zurück – auch die Blüten. Weniger Blätter und Blüten verbrauchen weniger Wasser. Die Pflanzen überleben die Tage ohne Wassernachschub besser und treiben frisch aus, solange du weg bist. Ohne diesen Trick musst du nach dem Urlaub erst mal viel Verblühtes ausputzen.

Im Herbst schneiden = auf den Winter vorbereiten

Geranien sind langlebige Pflanzen, die bei richtiger Pflege viele Jahre wachsen und blühen können. Wenn du magst, kannst du sie überwintern und wieder zum Blühen bringen. Im Herbst schneidest du sie dafür zurück. Der richtige Zeitpunkt ist gekommen, wenn die Nächte dauerhaft kühler werden und das Wachstum nachlässt. Spätestens vor dem ersten Frost sollte der Schnitt erledigt sein.
Die Triebe werden auf 10 bis 15 Zentimeter gekürzt, knapp über einem Blattknoten schneiden. Vertrocknete, sehr dünne oder sich kreuzende Triebe kommen ganz weg. Alle Blüten und Knospen ebenfalls. Die Pflanzen sollen jetzt keine Energie mehr in Blüten stecken. Und: Mit weniger Blattmasse kommen die Geranien im Topf leichter durch den Winter.
Nach dem Schnitt stellst du die Pflanzen an einen kühlen, frostfreien Ort bei 5 bis 10 Grad – zum Beispiel in die Garage oder ein kühles Treppenhaus. Wichtig: nicht zu warm, sonst treiben sie zu früh aus. Im Winterquartier gießt du sparsam (gerade so, dass sie nicht vertrocknen) und düngst nicht mehr.

Warum Geranien Überwintern nachhaltig ist

  • Gegen Wegwerfkultur: Geranien gehören zu den Pflanzen, die bei guter Pflege über Jahre hinweg wachsen.
  • Ressourcen schonen: Wenn du die Pflanze behältst, werden weder neue Töpfe oder Verpackungen aus Plastik benötigt noch zusätzlicher Transport vom oder zum Handel.
  • Pflanzen mit Charakter: Insbesondere Duftgeranien (z.B. Pelargonium graveolens) werden mit jedem Jahr interessanter: Sie entwickeln individuelle Wuchsformen und ein intensiveres Duftprofil. So entstehen eigenständige Pflanzen mit unverwechselbarem Erscheinungsbild – ein Aspekt, den Sammler besonders schätzen.

Schneiden macht Geranien buschiger – die Wissenschaft dahinter

Schneidest du die Triebspitze ab, wächst die Geranie buschiger. Warum? Das hat mit der sogenannten Apikaldominanz zu tun. Das heißt, dass der Haupttrieb das Wachstum der Seitentriebe hemmt. Verantwortlich hierfür ist das Pflanzenhormon Auxin. Es wird in der Triebspitze gebildet. Es fördert das Längenwachstum der Triebspitze nach oben und hemmt zugleich die Seitenknospen.
Fehlt die Triebspitze ab, fehlt auch das Auxin als Hemmstoff. Andere Wachstumsstoffe, vor allem Cytokinine, können dann die Seitenknopsen aktivieren. Die Pflanze verzweigt sich. An den neuen Verzweigungen entstehen neue Blütenansätze. Viele Verzweigungen = viele Blütenknospen.
Bei Hängegeranien (Pelargonium peltatum) funktioniert das genauso – mit einem Unterschied: Die neuen Seitentriebe wachsen nicht nach oben, sondern ranken nach unten. Mehr Verzweigung bedeutet mehr hängende Triebe .

Das passiert ohne Schnitt

Neu gekaufte Geranien musst du nicht schneiden. Und überwinterte Exemplare gehen ohne Schnitt nicht ein. Im Frühjahr wachsen die überwinterten aber mit langen, dünnen Trieben statt buschig und kompakt. Im Herbst brauchen ungeschnittene Pflanzen viel Platz im Winterquartier. In dichtem Laub staut sich außerdem Feuchtigkeit – die Pilzkrankheit Grauschimmel (Botrytis cinerea) könnte sich ausbreiten.

Stehende Geranie mit dicht gefüllten Blüten in Lachs

FAQ: Häufige Fragen zum Schneiden von Geranien

Kann ich Geranien während der Blüte schneiden?
Du kannst, solltest aber nicht. Im Sommer wird besser nur ausgeputzt. Ein kräftiger Rückschnitt während der Blüte führt zu einer Blühpause.
Gilt das auch für Hängegeranien?
Im Grundsatz ja. Auch hier gilt: Sommer ausputzen; bei Überwinterung im Frühjahr und Herbst gezielt schneiden.
Muss ich sie jedes Jahr schneiden?
Nein. Neu gekaufte Geranien brauchen im Frühjahr keinen Schnitt. Wichtig wird Schneiden erst dann, wenn du deine Geranien überwintern möchtest.
Was mache ich mit den abgeschnittenen Teilen?
Gesunde Schnittreste kannst du kompostieren. Kranke oder schimmelige Triebe gehören in den Restmüll. Aus kräftigen Trieben von mindestens 10 cm Länge kannst du auch Stecklinge schneiden und bewurzeln.
➡️ Mehr zu Wasser, Nährstoffen und Standort gibt es in unserem Beitrag zur Geranienpflege.

Glossar: Wichtige Begriffe

Apikaldominanz
Die Triebspitze steuert das Wachstum. Solange sie intakt ist, wachsen Seitentriebe langsamer. Entfernt man sie, verzweigt sich die Pflanze stärker.

Auxin
Ein Pflanzenhormon aus der Triebspitze. Es fördert das Längenwachstum und bremst Seitentriebe.

Ausputzen
Verblühte Blütenstände vollständig entfernen, inklusive Stiel. Das verhindert Samenbildung und fördert neue Blüten. Welke Blätter ebenfalls entfernen.

Blattknoten (Nodium)
Stelle am Trieb, an der ein Blatt sitzt. Dort können neue Triebe und Blüten entstehen.

Blütenstand (Infloreszenz)
Mehrere Blüten, die zusammen auf einem Stiel sitzen. Bei Geranien heißt der Blütenstand Dolde.

Cytokinine
Wachstumsstoffe, die Seitentriebe fördern. Ohne das hemmende Auxin aus der Triebspitze entfalten sie ihre Wirkung.

Rückschnitt
Gezieltes Kürzen von Trieben, um Wuchs und Verzweigung zu steuern. Im Unterschied zum Ausputzen werden auch grüne, gesunde Triebe gekürzt.

Samenbildung/Samenansatz
Die Pflanze bildet nach der Blüte Samen. Das kostet Energie und kann die nächste Blüte bremsen.

Seitentrieb
Trieb, der aus einer Knospe am Blattknoten wächst. Sorgt für buschigen Wuchs.

Trieb
Spross mit Blättern und Knospen. An der Spitze wächst die Pflanze weiter.

Überwintern
Geranien frostfrei durch den Winter bringen. Klappt besser mit Rückschnitt.

Vegetatives Wachstum
Wachstum von Blättern und Trieben (nicht Blüten). Nach einem Schnitt baut die Pflanze zuerst wieder Blattmasse auf.